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Gruppe Kiel

Grüne Weizenähren vor bewölktem Himmel.

 

Frauen in der Landwirtschaft können Führung

Studie zum Anteil von Frauen auf Chefpositionen im Agrarsektor

Wie es um weibliche Führungskräfte in der Landwirtschaft bestellt ist, hat Professor Jens-Peter Loy von der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) in der explorativen Studie untersucht. Veröffentlicht wurde die Studie mit dem Titel „Frauen in Führungspositionen in den Bereichen Agrar, Ernährung und Gartenbau“ durch den VDL-Bundesverband – Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e.V. Dazu führte Loy und sein Forschungsteam eine Bestandsaufnahme für die deutsche Wirtschaft mit Fokus auf den Agrarsektor durch. Ihre Erkenntnisse: Es gibt wenig weibliche Chefs, ihre fachlichen Qualifikationen werden dafür aber nicht als Grund angeführt. Vielmehr seien die Ursachen bei einer fehlenden Flexibilität in Bezug auf Teilzeitmodelle oder eine geregelte Kinderbetreuung zu sehen.

Fragestellung

Laut der AllBright-Studie von 2020 gibt es in keinem der großen börsennotierten deutschen Unternehmen in den Vorständen einen Frauenanteil von 30 Prozent oder mehr. Der geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen wirkt sich auch auf das durchschnittliche Gehalt aus. Rund drei Viertel dieses sogenannten Gender-Pay-Gaps lassen sich durch Beruf, Branche, Qualifikation, Führung und Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung erklären. Der Kieler Wissenschaftler Professor Jens-Peter Loy hat die sektorübergreifenden Angaben zum Ausgangspunkt einer Studie zum Agribusiness gemacht. „Dieser Wirtschaftsbereich wird gemeinhin als traditionell und männerdominiert angesehen. Bei den landwirtschaftlichen Betrieben beispielsweise sind die Betriebsleiterinnen ähnlich selten wie in den Vorständen von Unternehmen, etwa nur jeder zehnte landwirtschaftliche Betriebsleiter ist weiblich“, sagt der Forscher. Neben den Anteilen von Frauen in verschiedenen Bereichen der Führung untersuchte er auch die Gender-Pay-Gap. Außerdem erörterte er die Gründe für eine geringe Berücksichtigung von Frauen in Führungspositionen auf Basis einer Befragung im Agribusiness.

Analyse für den Agrarsektor

Der Frauen- und Männeranteil unter den Beschäftigten unterscheidet sich je nach Wirtschaftszweig stark. So liegt beispielsweise der Anteil der Frauen in Gesundheitsberufen bei 82 Prozent und in den Bau- und Ausbau Berufen bei nur sieben Prozent. In der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau liegt der Anteil weiblicher Beschäftigter bei 33 Prozent. Frauen in den Führungspositionen sind dabei deutlich unterrepräsentiert. Über alle Branchen in Deutschland hinweg sind fast die Hälfte der Beschäftigen Frauen aber bei den Führungspositionen machen Frauen nur etwa ein Viertel aus. „Das Agribusiness zeigt dabei keine gravierenden Unterschiede zu anderen Wirtschaftsbereichen in Bezug auf die Anteile von Frauen in Führungspositionen“, betont Loy. „Nur jede fünfte Frau in der Land- und Forstwirtschaft sowie in den Gartenbauberufen ist eine Führungskraft.“

Ein positiver Trend zeige sich allerdings bei den Betriebsleitungen: Im Altersbereich über 45 Jahren liegt der Anteil der Betriebsleiterinnen knapp unter zehn Prozent. In der jüngeren Gruppe der 25- bis 34-Jährigen liegt der Anteil hingegen bereits bei 14,4 Prozent. „Das könnte darauf hindeuten, dass der Frauenanteil in Zukunft steigen wird“, berichtet Jens-Peter Loy.

Führung ermöglichen

An der Qualifikation von Frauen werde jedoch nicht gezweifelt. „In der Befragung des Agribusiness-Sektors konnte die Aussage ‚Frauen sind weniger geeignet für Führungspositionen‘mit einem klaren Nein beantwortet werden“, so Loy. Die am häufigsten genannten Maßnahmen zur Steigerung des Anteils von Frauen in Führungspositionen waren: Führungspositionen in Teilzeit, Mentoring, Kinderbetreuung direkt im Unternehmen und Fortbildungen. „Der Wunsch nach mehr Flexibilität durch Teilzeit und Kinderbetreuung im Unternehmen lässt sich gut durch die Aufgabenaufteilung zwischen Männern und Frauen im Haushalt erklären. Laut einer Studie von 2017 wird die Hausarbeit sowie Reparatur- und Gartenarbeit zeitlich fast ausgeglichen zwischen den Geschlechtern aufgeteilt. Aber Frauen bringen für die Kinderbetreuung mehr Zeit auf als Männer“, so Loy. „Für die erste Führungsebene und das Top-Management besteht Handlungsbedarf. Angesichts dessen sollte man weiter an die Einsicht appellieren, dass Frauen auch im Top-Management eine qualitative Bereicherung darstellen, die sich im Wert des Unternehmens niederschlägt. Der Staat könnte mit Anreizen, Hilfen und selbst initiierten Maßnahmen diesen Prozess hin zu einer ausgewogenen Führung im Agribusiness und in der deutschen Wirtschaft insgesamt begleiten“, erklärt Loy abschließend.

Die Studie des VDL wurde aus Mitteln der Landwirtschaftlichen Rentenbank gefördert und ist hier verfügbar: www.vdl.de/vdl-bundesverband-handlungsbedarf-in-der-ersten-fuehrungsebene-und-im-top-management/

© Claudia Eulitz, Uni Kiel

Motivbild Getreide.

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Dr. Jens-Peter Loy
Abteilung Marktlehre
Institut für Agrarökonomie, CAU
 0431/880- 4434
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