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BECOMING – meine Geschichte

von Michelle Obama

Goldmann 2018

Die Autobiographie von Michelle Robinson – Obama ist nicht nur eine Erzählung ihres Lebens, sondern sie geht darüber hinaus und zeichnet zwei, über ihre Person hinausgehende Aspekte allgemeiner Art auf:

  • Die dreifache Diskriminierung als Schwarze, als Frau und als aus sozial schwachen Verhältnissen kommende Person und: was diese Diskriminierung mindert, aber nicht unbedingt überwindet,
  • Die durch Sicherheitsmaßnahmen extrem eingeschränkte persönliche Bewegungsfreiheit, nicht nur eines US Präsidenten, sondern seiner ganzen Familie, die erschreckend ist und die wohl keinem Bürger so bewusst ist.

Michelle Obama, geborene Robinson, zeigt eindrucksvoll, wie der Aufstieg aus einfachsten „Verhältnissen“ in einer zusätzlich stark durch Diskriminierungen gespaltenen Gesellschaft gelingen kann. Ihre Eltern setzten für ihre Kinder auf Aufstieg durch hervorragende Bildung und stellten ihre persönlichen  Ansprüche dafür zurück. Gleichzeitig vermittelten sie ihren zwei Kindern, dass Fleiß und Durchhaltevermögen unerlässlich dafür seien, alles gepaart mit viel Liebe, Klaglosigkeit und opferbereiter Unterstützung. So wurde es möglich, dass Michelle Robinson – Obama und ihr Bruder aus dem schwarzen Chicagoer Ghetto „ausbrechen“ und trotz vieler Widerstände an den besten Universitäten der USA studieren konnten, die Domänen der weißen Jugend waren und auch noch sind. Michelle Obama  machte ihren Bachelor in Princeton und ihren Master an der Harvard Law School und wurde Anwältin.

Aus ihren Aufzeichnungen ersieht man, wie zielstrebig sie ihren Weg ging, aber auch, wie segregiert das Leben auch an den Eliteuniversitäten ist. Man bleibt unter sich: weiß hier, schwarz dort.

Michelle Obama geht ihren Weg sehr zielstrebig, wobei sie nie vergisst woher sie stammt, dass ihre Erfolge auch die Erfolge ihrer Eltern sind, ohne die ihr Aufstieg nicht so möglich gewesen wäre. Sie richtet ihre berufliche Karriere an ihrem Bedürfnis aus, anderen zu helfen, deren Diskriminierung zu überwinden und einen ähnlichen Weg wie sie selbst zu gehen.

Ihr soziales Engagement deckt sich mit dem ihres späteren Mannes, Barack Obama, der der 44. Präsident der Vereinigten Staaten werden sollte.

Ihre große soziale Kompetenz und ihre hervorragende Ausbildung kommen ihr später im Wahlkampf um die Präsidentschaft ihres Mannes zu Gute. Schon während dieser Wahlkampfzeit macht sie Bekanntschaft mit den Einschränkungen der persönlichen Bewegungsfreiheit, je erfolgreicher der Nominierungswahlkampf für Barack Obama läuft.

Als Ehefrau des Präsidenten mit zwei kleinen Kindern muss sie dann ihren Beruf und damit einen Teil ihrer Unabhängigkeit aufgeben und ganz Präsidentengattin sein bei Übernahme von sozialen Aufgaben.

  • Dabei drängt sich dem nicht amerikanischen Leser die Frage unweigerlich auf, wie ist das eigentlich im eigenen Land? Auch in Deutschland gelten diese überkommenen, ungeschriebenen Gesetze, die bisher eigentlich nur Ehemänner von führenden Politikerinnen an der Spitze von Regierungen in Bundesländern und im Bund durchbrochen haben.
  • Aber was ist mit den Frauen der Bundespräsidenten? Viele davon gut ausgebildete, selbständige, berufstätige Frauen, die ihren Job zugunsten des Amtes  ihres Mannes weitgehend aufgaben. - Wir hatten leider noch keine Bundespräsidentin, um zu sehen, ob die ungeschriebenen Gesetze und Erwartungen von Männern auch hier durchbrochen würden.

Eindrucksvoll erzählt Michelle Obama über die Einschränkungen, denen das Leben im Weißen Haus aus Sicherheitsgründen unterworfen ist. Sie schreibt aber auch über die Einschränkungen völlig Unbeteiligter, wenn der Präsident und /oder seine Frau und Kinder einer eigentlich privaten Aktivität nachgehen. Straßen werden gesperrt, Restaurantgäste gefilzt, Privathäuser durchsucht. Als auslösende Person macht man so etwas einmal, dann lässt man es. Für heranwachsende Kinder ist das besonders schwierig. Sie können dadurch psychische Schäden für das ganze Leben erleiden.

Das Buch ist gut geschrieben, auch gut übersetzt und bringt den Leser oder die Leserin zum Nachdenken, da man eine Welt im zweiten Teil erlebt, die man sonicht kennt und die diametral zu den Vorstellungen ist, die die täglichen Bilder in unseren Hirnen etablieren.

Nicht nur im ersten Teil, dem Weg aus dem schwarzen Ghetto in die stark weiß geprägte Businesswelt der USA, sondern auch im zweiten Teil, dem Leben im Käfig der Präsidentschaft, wird der Leser durch die Macht der Sprache hautnah mit einbezogen.

Ein Buch, das für jeden lesenswert ist, obwohl oder gerade weil es aus der Sicht einer Frau geschrieben ist.

Dr. Vera Gemmecke-Kaltefleiter, Tüttendorf

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