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„Frauen & Macht – Ein Manifest“

S.Fischer Verlag, 3. Auflage 2018

Gerade werden wir in Deutschland wieder einmal von Hasstiraden und Morddrohungen in den Sozialen Netzen gegen Politikerinnen aufgeschreckt, also gegen Frauen, die in politische Führungspositionen - trotz aller Schwierigkeiten – aufgestiegen sind. Die Forderungen der Frauen in Deutschland nach „Parität“ bzw. 50% Quoten für Ämter und Mandate zeigen, wie schwierig der Aufstieg – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – noch immer ist und wie wenig selbstverständlich.

Hierzu erhellend sind zwei Aufsätze der englischen Historikerin und Feministin Mary Beard, Professorin für Klassische Altertumswissenschaft an der Universität Cambridge/GB, in dem kleinen Band „Frauen & Macht“, die auf vorhergehende Publikationen der Autorin zurückgehen.

Im ersten Teil „Die öffentliche Stimme der Frauen“ zeigt Mary Beard Beispiele nicht nur aus der Gegenwart sondern bis zurück in die Antike, wie Frauen von Männern das Wort verboten wurde und sie stets auf ein Leben in „Unsichtbarkeit“ zurückgedrängt wurden. Und wie dieses Verhalten bis heute mit leicht veränderten Mitteln Bestand hat. Frauen sollen auch heute noch in der Öffentlichkeit höchstens für den Ihnen von den Männern zugewiesenen Bereich zuständig sein, also für Kinder, Haushalt und Soziales. (Man schaue sich nur als Beispiel die Bilder von den Innenministerkonferenzen der deutschen Bundesländer an: 1 Frau und 15 Männer, der Bundesinnenminister ist dann der 16. Mann! Die eine Frau ist allerdings schon ein Fortschritt!!)

Wagen sich die Frauen in andere Felder vor, wird ihnen mit allen erdenklichen Tricks die Kompetenz abgesprochen. Sie werden oft sehr subtil angegriffen und lächerlich gemacht aber auch mit Gewalt bedroht. Es gibt ein Verhaltensmuster, das von der Antike bis heute reicht, so Mary Beard.

Im zweiten Teil „Frauen an der Macht“ zeigt Mary Beard die Strategien, die Frauen entwickeln, die es in Machtpositionen geschafft haben, um von ihrem Geschlecht und daran hängenden stereotypen Beurteilungen wie z.B. Schwäche oder mangelnder Intelligenz  abzulenken, denn sie werden in jeder Hinsicht unter extreme Beobachtung gestellt. Sie übernehmen äußere männliche Erscheinungsbilder – man beachte z.B. die immer gleichen Hosenanzüge von Angela Merkel, die sich nur in der Farbe der Blazer unterscheiden – oder Accessoires, die als „Waffe“ interpretiert werden können, wie die Handtaschen von Margret Thatcher und Ähnliches. Frauen in höchsten Positionen trainieren häufig auch ihre Stimmen, so dass sie eine tiefere, männliche Stimmlage erreichen, die mehr „natürliche“ Autorität ausstrahlen soll.

Die Autorin warnt aber auch mit Hilfe von Beispielen vor Fehlinterpretationen von sogenannten „Erfolgen“ der Frauen, sowohl in der Antike als auch in der Jetztzeit. Ein hoher Anteil z.B. von Parlamentarierinnen sage noch nichts über ihren tatsächlichen Einfluss aus. Die Machtzentren der Männer verschöben sich häufig in Hinterzimmer.

Mit seinen 100 Seiten ist „Frauen & Macht“  ein kleines aber sehr lesenswertes Buch.

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