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Maria von Welser

„Wo Frauen nichts wert sind

Vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen“

Heyne Taschenbuch 2016 (geb. Ausgabe 2014)

Seit dem Ausbruch der Corona Pandemie wird in Deutschland darüber geklagt, dass durch sie die Frauen in ihrer Gleichstellung zurückgeworfen und alte Rollenbilder wieder die Oberhand gewinnen würden. Da ist etwas dran. Aber es redet niemand mehr über die erbarmungswürdige Situation der Frauen und Mädchen in vielen Regionen der Welt. Unser Blickwinkel hat sich in diesem Bereich drastisch verengt und zwar nur noch auf unser Land.

Deshalb ist es wichtig, ein Buch wie das von Maria von Welser, jetzt wieder zu lesen und gleichzeitig sich im Netz zu informieren, wie denn die Lage der Frauen heute, sieben Jahre später, in anderen Teilen der Welt ist. Die ist erschreckend schlecht geblieben, aber keiner redet mehr davon. Das Thema dringt genauso wie andere brisante Themen wie die Umweltproblematik oder die Flüchtlingsströme nicht in der veröffentlichten Meinung durch. Corona beherrscht alles.

Das muss sich schnellstens ändern. Auch in allen anderen Ländern dieser Welt grassiert Corona mehr oder minder stark und die Leidtragenden sind dort, schon wegen der ärmlichen Lebensverhältnisse und der Zurücksetzung zum freien Zugang zu fast allem, natürlich auch zum Gesundheitswesen, die Frauen.

Sie sind, wie Maria von Welser es formuliert, nichts wert. Dies zeigt sie besonders auf an den von ihr 2013 bereisten Ländern Afghanistan, Indien und Ostkongo, Länder die auf der Liste der UN für Frauenrechte an den letzten Stellen des Rankings stehen. Die Journalistin interviewte vor Ort mit Unterstützung von Hilfsorganisationen Frauen und Mädchen in allen Lebenslagen und dokumentiert dadurch sehr authentisch ihre tatsächlichen Lebensumstände, die sie auch mit Bezug auf vorhandene Landesgesetze und der Unterzeichnung  von entsprechenden UN Resolutionen beleuchtet und damit auch eklatante Rechtsbrüche der verschiedensten staatlichen Organe in den Ländern aufzeigt.

Besonders stark zeigt sie den Kontrast der Gesetzeslage zu den tatsächlichen Verhältnissen in der „größten Demokratie der Welt“ in Indien auf. Frauen leben, wie die Interviews zeigen, in allen drei Ländern lebensgefährlich. Sie sind Opfer, aber in Indien sind sie z.T. auch Täter. Im Gegensatz zu Indien ist die Bevölkerung in Afghanistan und Ostkongo weitgehend bitterarm, durch Kriege zerstört. Indien aber ist ein Schwellenland, das zudem nicht von Kriegen überzogen ist. Maria  von Welser zeigt, welche Gründe zu der katastrophalen Lage der Frauen, nicht nur in den untersten sozialen Schichten sondern auch in großen Teilen der anderen Schichten, führen. Gute Gesetze gibt es viele, nur hapert es an der Umsetzung im privaten Bereich, wie aber auch beim fehlenden Unrechtsbewusstsein der handelnden Staatsorgane, zu allererst bei der Polizei, weil eben Frauen nichts wert sind.

Diese drei Reiseberichte ergänzt Maria von Welser noch am Ende des Buches durch zwei weitere Themen:

Die „Beschneidung“ der Frauen, d.h. die grausame Verstümmelung der weiblichen Genitalien vor allem in Afrika (s.d. ausführlich das Buch von Waris Dirie „Wüstenblume“), was sich inzwischen aber auf große Teile des muslimischen Südostasien ausdehnt, und

die grausamen Massenvergewaltigungen in den Balkankriegen der 90er Jahre, unter deren Traumata die Frauen bis heute leiden. Diese Massenvergewaltigungen wurden nicht geahndet. Die Vergewaltiger laufen weiterhin als „geachtete“ Männer frei herum und ihre Opfer müssen das täglich erleben.

Das Buch ist weiterhin hochaktuell. Man muss es gelesen haben.

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