DAB
Deutscher Akademikerinnenbund e.V. Gruppe Kiel


Bericht über das DACH – Treffen 2017 in Chur

Dr. Vera Gemmecke-Kaltefleiter, DAB-Gruppe Kiel

Hinweis: Alle Bilder können zum Vergrößern angeklickt werden.

Vom 6. – 8. Oktober 2017 fand in Chur/Graubünden/Schweiz das diesjährige DACH –Treffen statt. DACH, für alle die es noch nicht wissen, heißt: Deutschland, Austria, Confoederatio Helvetica.

Dieses Treffen wird jedes Jahr von einem anderen der drei nationalen Akademikerinnenverbände organisiert: vom SVA (Schweizerischen Verband der Akademikerinnen), vom VAÖ (Verband der Akademikerinnen Österreichs) und vom DAB (Deutscher Akademikerinnenbund). Es ist ein Freundschaftstreffen, das dazu dienen soll, sich gegenseitig besser kennen zu lernen. Entsprechend steht nicht der Inhalt der Tagung im Vordergrund sondern das menschliche Miteinander.
Insgesamt nahmen an dem Treffen in Chur 41 Frauen teil, davon 6 aus Deutschland.

Die Schweizerinnen Manuela Schiess, Lore Fuchs und Jacqueline von Sprecher aus der Gruppe Graubünden hatten ein umfangreiches Programm vorbereitet und sorgten für einen reibungslosen Ablauf.
Vielen Dank für die hervorragende Organisation!
Einschreibung
Man traf sich am frühen Freitagnachmittag für die Einschreibung im „Café am Martinsplatz“ und nicht in irgendeinem sterilen Bürohaus. Eine Universität hat Graubünden nicht. Nach einer Tasse Kaffee ging es, aufgeteilt in zwei Gruppen, zu einer Stadtführung. Zwei Stunden wanderten wir durch die hübsche Altstadt von Chur und lernten uns gegenseitig kennen sowie die wechselvolle Geschichte der Stadt, die schon in der Römerzeit an einer der wichtigsten Handelsrouten jener Zeit lag, von der Po-Ebene über den Splügen-Pass durch das Tal des Hinterrhein und dann des Rheins zum Bodensee. Diese Verbindung nach Italien führte zu einer sehr frühen Christianisierung, wie durch eine Vielzahl von romanischen Kirchen und Kapellen noch heute zu erkennen ist. Da die Schweiz auch führend im Kampf gegen die etablierte römische Kirche durch die Reformatoren Zwingli, Calvin und andere war, hinterließ dieser Glaubenskampf auch deutliche Spuren in all den Dörfern Graubündens.

Diese konnten jeweils für sich bestimmen, ob sie beim Altglauben blieben oder zum neuen Glauben übertraten. So entstand ein großer Flickenteppich von katholischen und reformierten Dörfern, der auch Einfluss auf die Gestaltung der alten Kirchen hatte. All dies konnten wir 500 Jahre später noch in den Kirchen, die wir besichtigten, nachempfinden.

In Chur selbst gab es sowohl den römischen Glauben als auch den neuen reformierten Glauben. Ihre Kirchen stehen in Rufweite: die reformierte Martinskirche und die katholische Kathedrale, die Bischofskirche. Entsprechend unterschiedlich ist die jeweilige Ausstrahlung. Hier die von Bildern und Wandmalereien „befreite“ reformierte Kirche, in der ursprünglich nichts vom gesprochenen Wort ablenken sollte, dort das mit alten Wandmalereien und einer Vielzahl von Altären üppig ausgestattete Gotteshaus.
Kirche

Weinberge

Vorbei an Weinbergen, dem Bischofssitz und vielen anderen historischen Gebäuden und mit Blick auf weitere Kirchen beendeten wir unsere Stadtführung vor dem Geburtshaus der Angelika Kauffmann, einer der wenigen bekannten Malerinnen des 18. Jahrhunderts, deren Porträts weltberühmt sind.
Abends trafen wir uns noch zu einem gemeinsamen Abendessen in einem Gasthaus der Altstadt. Überhaupt, diese Essen boten uns die Möglichkeit zu einem intensiven Gedankenaustausch.
Der Sonnabend war komplett für kulturelle Genüsse verplant. Um 8.30 Uhr ging es bereits mit einem Bus in das Tal des Vorderrheins zur Kirche in Waltensburg mit ihren Wandmalereien eines unbekannten Malers aus dem frühen 14. Jh., der in rund 20 Orten in Graubünden in der Hochgotik wundervolle, sehr farbintensive Wandmalereien schuf und nach den Malereien in der Waltensburger Kirche, als Waltensburger Meister bezeichnet wird.
Da auch diese Kirchengemeinde im 16. Jahrhundert zum reformierten Glauben wechselte, wurden damals die Bilder übertüncht, um ja nicht durch ihre Strahlkraft vom gesprochenen Wort abzulenken. Erst in den 30er Jahren des 20. Jh. wurden sie bei Renovierungsarbeiten wiederentdeckt und freigelegt. In dem kleinen Museum, das unterhalb der Kirche in einem landestypischen Haus untergebracht ist, wurden uns dann noch die übrigen Wirkungsstätten des Waltenburger Meisters gezeigt und vor allem seine Maltechnik an einem Muster vorgeführt.

Auf der Weiterfahrt sprangen wir vom 14. Jh. n. Chr. zurück ins 16. – 12. Jh. v. Chr. und besichtigten die größte und wichtigste Megalithanlage der Schweiz mit mehr als mannshohen Steinen.
Wandmalereien

                Deckenmalereien

Nach einem landestypischen Essen ging es dann mit dem Bus in das Tal des Hinterrheins nach Zillis zur Besichtigung der bemalten Kirchendecke in ebenfalls einer Martinskirche aus der Zeit der Hochromantik. Obwohl die Kirchengemeinde ebenfalls zum reformierten Glauben wechselte, blieb diese Decke ohne Übermalung, aus welchem Grund auch immer. Es ist nichts darüber übermittelt. Sie besteht aus 153 quadratischen auf Holz gemalten Bildtafeln mit biblischen Szenen von je 90 cm Seitenlänge. Der uns führende Kunsthistoriker warf in seinen Erläuterungen auch einen Blick auf die Frauen, die in diesen biblischen Szenen dargestellt wurden.

Insgesamt wurden alle Führungen von hervorragenden Kennern ihrer Materie durchgeführt, die z.T. wissenschaftliche Arbeiten darüber verfasst hatten, was den Genuss steigerte.




Die Rückfahrt nach Chur ging dann durch die beeindruckende und in früheren Jahrhunderten berüchtigte Viamala Schlucht mit ihren bis zu 300 m hohen Felswänden.

Der Abend endete wieder mit einem gemeinsamen Essen, diesmal oberhalb der Stadt mit einem wunderbaren Blick auf das glitzernde Chur tief unten im Tal.
Viamala Schlucht

Frauenarchiv
Am Sonntag wurde uns dann aber noch ein ausgesprochenes Frauenthema geboten: der Besuch im Frauenkulturarchiv des Kantons Graubünden. Hier wurde seit 1997 unter der fachkundigen Leitung von Silke Margherita Redolfi mit vielen ehrenamtlich Engagierten ein Archiv über Frauen und ihre Organisationen in Graubünden geschaffen, das beeindruckend in seinem Umfang ist. Schon jetzt sind außerdem aus dieser Arbeit mehrere umfangreiche Publikationen hervorgegangen.

Frau Redolfi beschrieb uns die Schwierigkeiten, die ein solches Archiv hat, um an Wissen über Frauen heranzukommen, denn Frauen waren in der Vergangenheit weder für die Wissenschaft noch für die Außenwelt sichtbar. Sie kamen nirgends vor.

Aber auch die Technik des Archivierens einer solch heterogenen Materialsammlung erklärte uns die Leiterin. Wir lernten etwas kennen, was auch deutschen Ländern zur Nachahmung zu empfehlen wäre. Dadurch wird das Wissen über das Wirken von Frauen im regionalen Umfeld in unvergleichlicher Weise gebündelt.
Der Vormittag schloss mit einem kleinen Empfang ab und die Wege der Tagungsteilnehmerinnen gingen auseinander. Etwa die Hälfte traf sich noch zu einem letzten gemeinsamen Essen in der Stadt, dann gehörte auch dieses schöne Treffen der Vergangenheit an, aber die Kontakte bleiben.

Im nächsten Jahr sind die Österreicherinnen die Gastgeberinnen des DACH – Treffens.
Chur und die Kultur Graubündens werden den Teilnehmerinnen unvergesslich bleiben.
Nochmals vielen Dank an die Schweizerinnen!

Tüttendorf, den 10.10.2017
Dr. Vera Gemmecke-Kaltefleiter
DAB Gruppe Kiel